Samstag, 2. Januar 2016

Durchgelesen

Rezension: Die Unantastbaren von Richard Price




Verlag: S. Fischer
Seitenzahl: 432 Seiten
Format: Hardcover
Preis: 24,99 Euro
ISBN: 978-3-10-002416-9
Abgeschlossener Band








Inhalt:

Billy Graves führt die Dienstaufsicht über eine handvoll von Detectives des NYPD, deren Schicht zwischen ein Uhr bis acht Uhr morgens andauert. Jeden der Kollegen sucht ein „Unantastbarer“ heim; ein Verbrecher, den er bis heute nicht dingfest machen konnte. Als eines Morgens einer dieser Verbrecher tot aufgefunden wird, reißen alte Wunden auf. Aber nicht nur das: auch Billys Familie wird von einem Fremden beobachtet und Billy muss zusehen, wie dieser ihm – wieder einmal – stets einen Schritt voraus ist.



Schreibstil:

Richard Price ist ein Meister seines Handwerks. Er entwirft ein dreckiges düsteres Szenario, setzt seine vom Leben gebrochenen Charaktere hinein und macht es ihnen in dieser Welt nicht einfacher.

Wer die Fernsehserie „The Wire“ kennt, der mag vielleicht schon eine Ahnung davon haben, wie die Welt des Autors auf den Leser wirkt. Richard Price ist nicht nur in der Bronx aufgewachsen, er hat auch an dieser Serie mitgewirkt.
Seine Charaktere sind -hier wie da - gebrochene Polizisten, deren Nächte aus Alkohol, Zigaretten und wenig Schlaf bestehen.
Nehme man hier zum Beispiel Billy, dessen Frau unter schweren Depressionen leidet, der zwei Kinder und einen an Alzheimer erkranken Vater unter seinem Dach beherbergt. Nicht nur, dass die harten, arbeitsreichen Nächte ihm den Schlaf am Tage rauben, auch mit der Familie läuft es nicht immer rund. Der Vater zum Beispiel lebt in der Vergangenheit und schlüpft des öfteren in das Bett der Eheleute, weil er in Gedanken noch mit seiner Frau zusammenlebt. Billys Ehefrau hingegen hat diese Ausbrüche, die sie mit Medikamenten im Zaum hält. Einerseits mag das eine Belastung sein, andererseits sagt Billy aber auch, dass er es schätzt, dass seine Frau in ihm den Retter erkennt, dass sie sich in der Not an ihn klammert.

Die Sätze, die Richard Price entwirft, sind gewöhnungsbedürftig. Stellenweise sehr lang, aber auch mit einem eigenen Humor gesegnet. Die Umgangssprache, mit der er seinen Leser konfrontiert, mag nicht immer einfach sein. Sich hineinzulesen lohnt sich aber, zumal gerade diese Sätze das Szenario greifbar machen. Man fühlt sich direkt in der Bronx ausgesetzt, direkt neben richtig gebrochenen Typen. Richard Prices Dialoge scheinen der Straße abgelauscht: Knallhart, schlagfertig, rotzig und autenthisch.

Der Handlungsstrang dieses Romans ist verästelt. Einerseits sind es die Unantastbaren, um die es geht, andererseits ist es das Leben der Polizisten, welches wohl die Hauptrolle spielt. Neben Billys Perspektive darf der Leser sich auch auf Kapitel aus Sicht eines anderen Polizisten namens Milton Ramos freuen. Welche Rolle dieser Polizist in diesem Roman spielen wird, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Soviel aber vorweg: Es wird spannend.


Fazit:

Richard Price gelingt es wie keinem zweiten, den Leser in die Welt mitzunehmen, in der seine Helden überleben.
Ein Handlungsstrang, der sehr verästelt ist, lange Sätze, die Konzentration erfordern - bei anderen Autoren das Ende der Lesefreude. Nicht so bei Richard Price. Sein Schreibstil, fesselt den Leser. Dieser hängt quasi an den Buchstaben und versinkt in einer Welt, in der Detectives sich durch die Unterschicht wühlen und dabei versuchen, nicht daran zu zerbrechen.

Vielleicht kommt „Die Unantastbaren“ nicht direkt an Richard Prices Werk „Cash“ heran, dennoch ist es ein Roman von dem Liebhaber guter Literatur überzeugt sein werden.



Buchzitate:

Er nahm von diversen Tatorten Aufträge für die Nachtschicht entgegen und blockte sie ab wie ein Torwart.

Es klopfte sachte an der Haustür, dann trat Alice Stupak ein, eins sechzig groß und gebaut wie ein Bus; mit ihrer chronischen Gesichtsrose und dem vorlauten kurzen Pony erinnerte sie Billy beharrlich an einen kampferprobten Peter Pan mit Alkoholproblem.

Das Fleisch ist so zäh, dass es sich vom Teller erhoben und den Kaffee verdroschen hat, der zu schwach ist, um sich zu wehren.




Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:


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