Mittwoch, 29. November 2017

Durchgelesen: Ich schwöre!

Rezension zu Ich schwöre! von Marc Hudek


Verlag: Tredition (Werbung gem. § 2 Abs. 5 TMG)
Seitenzahl: 216
Format: Paperback/Ebook/Hardcover
Preis: 9,99 Euro (Paperback), 2,99 Euro (Ebook), 19,99 (Hardcover)
ISBN Paperback: 978-3-7439-5317-8
ISBN E-Book: 978-3-7439-5319-2
ISBN Hardcover: 978-3-7439-5318-5
Abgeschlossene Erzählung







Inhalt:

Lenny verbringt seine Freizeit gerne mit Laufen oder seinen Freunden Yussuf und Farik im Jugendtreff um die Ecke. Als eines Tages ein Mann namens Omar dort auftaucht und erst das Gespräch mit Yussuf und später auch mit Farik sucht, verändert sich einiges in Lennys Leben und dem seiner Freunde. Denn von einem Tag auf den anderen radikalisieren und militarisierten sich sind seine Freunde. Sollte es den islamischen „Hardlinern“ gelingen Yussuf und Farik zu indoktrinieren, wären sie für Lenny verloren.



Erweiterter Inhalt:

Lenny ist ein Junge, der nur wenig Freunde und kaum Ziele im Leben hat. Er liest ganz gerne mal ein Buch, auch sportlich betätigt er sich beim Laufen. Seine zwei Freunde Yussuf und Farik sind speziell. Er erträgt ihre Anwesenheit nicht täglich. Besonders Yussuf ist er aber nahe, weil der Junge ebenso wie Lenny keine wirklichen Lebensziele zu haben scheint. Zu Hause erwarten Lenny zwei Geschwister. Ein Bruder, der gerne dealt und sich freut, wenn er mal wieder zu einem Gefängnisaufenthalt verurteilt wird. Da gibt es immerhin gutes Essen und außerdem können Kontakte aufgefrischt werden. Die Schwester Jenny hingegen versucht gerade das zweite Mal ihren Schulabschluss zu machen. Lenny befürchtet jedoch, dass dieser Versuch aufgrund der mangelnden intellektuellen Fähigkeiten erneut scheitern wird. Lennys Mutter hat nur wenig Zeit, sich um die Kinder zu kümmern. Seit der alkoholkranke Vater verstorben ist, muss sie als Alleinerziehende hart arbeiten, um die Familie zu ernähren.
Lennys große Liebe gilt der verheirateten Sportdozentin. Er hat also niemanden, zu dem er aufschauen kann. Seine zwei Freunde sind ihm da umso wichtiger.

Als eines Tage im Jugendtreff, in dem Yussuf, Faris und Lenny ihre Zeit verbringen, ein Mann namens Omar auftaucht, ändert sich für die drei Freunde einiges. Omar gelingt es Yussuf und Faris davon zu überzeugen, dass sie bloß Opfer der gottlosen gesellschaftlichen Verhältnisse seien, deren grundlegende ökonomische Strukturen verhindern würden, den Islam als politische und gesetzgeberische Richtschnur einzuführen.

Als Lenny bemerkt, dass Yussuf und Faris in die Islamistenszene abrutschen, ist es längst zu spät. Einzig ein Handel gibt ihm die Hoffnung diese noch retten zu können: Er wird Yussuf und Faris bei ihren ersten Prüfungen helfen, aber dafür müssen sie ihm versprechen eine Beratungsstelle aufzusuchen. Die Freunde sind sich einig: Ein Besuch bei einer Beratungsstelle ist schnell abgesessen. Lennys Hilfe ist für die Herausforderung jedoch unerlässlich. Sie lassen sich auf diesen Vorschlag ein.



Eigene Meinung:

Marc Hudek witmet sich mit seinem Roman einem wichtigen Thema: Wie kommt es dazu, dass Moslems in der Diaspora zu Terroristen werden.
Er gibt mit seinem Buch einen kleinen Einblick in die Arbeit von radikalen Menschenfängern und ihren Fähigkeiten neue Mitglieder zu werben. Anhand von Lennys Freunden zeigt er, wie schwer es für Angehörige und Freunde sein kann, Zugang zu Betroffenen zu finden.
Mit Lenny erschafft der Autor einen Charakter, der auf den ersten Blick ebenso ziellos durchs Leben geht, wie Yussuf und Faris, der aber bereit ist, für seine Freunde einiges auf sich zu nehmen.

Dadurch, dass Lenny in kritischen Situationen zynisch reagiert und dadurch, dass Farik und Yussuf einerseits hart wirken wollen und dann aber doch immer wieder an ihrer eigenen Tollpatschigkeit zu scheitern drohen, entwickelt sich ein subtiler Humor in dem Buch, der das schwere Thema ein wenig auflockert.

Auch eine Liebesgeschichte durchläuft der Protagonist im Laufe der Seiten. Seine unerwiderte Zuneigung zu der Sportdozentin macht Lenny zu schaffen. In einem Park entdeckt er die an den Rollstuhl gefesselte Basketballspielerin Anna, die im ersten Moment mit der Flasche Alkohol und der Zigarette in der Hand so erscheint, als hätte sie mit dem Leben abgeschlossen.
Doch die in sich ruhende und lebenserfahrene Frau spricht mit klaren und klärenden Worten über das Leben; es gelingt ihr Lennys inneren Kompass neu einzuordnen.

Lenny beginnt als typischer Antiheld; der der zu betreuenden Kindergruppe beim Völkerball einen extra harten Ball zuteilt oder der im Kaufhaus an einem BH schnuppert. Lenny scheint jedoch mit dem Kampf, den er für seine Freunde auf sich nimmt, Größe zu entwickeln. Er wächst an seiner Aufgabe.



Fazit:

"Ich schwöre" ist ein Buch, welches sich einer sehr schwierigen und aktuellen Thematik widmet.
Wie kommt es dazu, dass junge Männer, die die Vorzüge der westlichen Gesellschaft selbst genießen können, dieser den Kampf ansagen.
Der Plot wird durch ein wenig Humor aufgelockert. Die Charaktere haben allesamt keine großen Ziele, die sie im Leben verfolgen. Gerade Lenny jedoch scheint an den Herausforderungen, die ihm das Leben stellt, zu wachsen.

Ich denke, dass dieses Buch eine gute Diskussionsgrundlage für das Thema Radikalisierung in Schulen bieten könnte.



Kurzgefasst:

Spannung/Action:






Liebe:






Charaktere:






Handlungsstrang:






Schreibstil:






Im Gesamtpaket:


Kommentare:

  1. Hallo Tanja,
    du hast ja schon bei mir angekündigt, dass bald die Rezension zu diesem Buch kommt, daher freue ich mich, sie nun zu lesen.
    Du hast so schön reflektiert, ich kann auch alles unterschreiben. Woher der humoristische Unterton des Buches kommt, zB. Ja, Lenny ist zunächst ein Antiheld, war mir fast schon unsympathisch zu Beginn, doch dann zeigt er, was wirklich in ihm steckt.
    Ich hab dich nun bei mir verlinkt.
    Gruß,
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,
      ich habe deine Rezension auch schon weiterempfohlen. Ich habe bei deinen Worten immer nur genickt und gedacht: Ganz genau, das hat Daniela sehr gut geschrieben :o) Ich freue mich, dass wir da eine sehr ähnliche Lesemeinung hatten. Auch bei Lenny haben wir wohl ähnlich empfunden. Ganz zum Anfang hatte ich auch das Gefühl, dass der Ton zwischen Lenny und seinen Freunden ein wenig ruppig - jugendlich ist. Das hat sich dann aber gelegt. Ich finde, dass Lenny sich in der Geschichte sehr weiterentwickelt hat.

      Vielen Dank für die Verlinkung <3

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  2. hallo Tanja,
    Deine Beschreibung hat mich auf das Buch aufmerksam gemacht.... ich glaube ich muss das auch mal lesen :-)

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    1. Hallo Miss Lila,
      ich freue mich, dass meine Rezension deine Neugierde auf das Buch geweckt hat. Ich lese manchmal ganz gerne Bücher, die sich auch mit schwierigeren Themen beschäftigen. Was mir sehr gefallen hat, war dass das Thema nicht allzu trocken rüberkam. Dafür hat der leichte Humor und die etwas tollpatschige Art von Lennys Freunden gesorgt :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

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  3. Hallo Tanja,

    sehr mutig, dass du ein Buch zu so einem realitätsnahen Thema liest. Ich bin eher jemand, der etwas den Alltag beim Lesen vergessen möchte. :-) Schön, dass es dem Autor gelungen ist, trotzdem noch etwas subtilen Humor unterzubringen!

    Liebe Grüße
    Desiree

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    1. Hallo Desiree,

      es kommt bei mir immer auf die Stimmung und auch auf das Thema an. Manchmal lese ich ganz gerne auch ein Jugendbuch zu etwas schwierigen Themen. Die Betonung liegt hier auch ganz deutlich auf Jugendbuch. Geschichten werden in diesem Genre noch einmal ganz anders aufgerollt, als in Erwachsenenliteratur.

      Ja, ich denke es ist wirklich nicht so einfach Humor in Büchern unterzubringen, die sich mit einem ernsten Thema beschäftigen.

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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  4. Hallo Tanja,

    wie du ja bereits weißt, finde ich es sehr wichtig, über dieses Thema zu berichten. Auch deine Rezi dazu gefällt mir gut. Bezüglich der Freundschaft zwischen den drei jungen Männern hast du mir ja etwas ausführlicher berichtet :) und gerade das Ende hätte ich so nicht unbedingt erwartet.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,
      ich bin ganz deiner Meinung: Auch ich finde es wichtig, dass Jugendbücher über solche Themen geschrieben werden.
      Das stimmt, wir haben uns schon ausführlich über das Buch unterhalten. Ich danke dir nochmal für dieses Gespräch. :o)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja :o)

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